über 135 Jahre Ehringhauser Turn-Verein e.V. 1880 Wir bewegen Menschen

 

32 Männer und junge Leute taten sich im Jahre 1880 zur „geordneten Pflege von Leibesübungen“ zusammen, ganz im Sinne des Turnvaters Jahn, der nachweislich im Jahre 1814 als Gast in Ehringhausen weilte.

 

 

 

 

Einen passendenden Übungsraum hatte man nicht. Also wurde der Turnbetrieb zunächst in eine Scheune verlegt, die aber bald immer mehr verfiel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Guter Rat war teuer, doch der Saal der heute noch bestehenden „Wirtschaft Becker“ wurde zur neuen „Turnhalle“.

In dieser schwierigen Anfangszeit hat sich Franz Weiden, der spätere Ehrenvorsitzende, unvergängliche Verdienste um den Verein erworben.

Wie damals in Turnvereinen nach jahnscher und kaiserlicher Art üblich, herrschte Strenge, Zucht und Ordnung. Unentschuldigtes Fernbleiben wurde mit Strafgeldern belegt. Dabei mussten Vorstandsmitglieder doppelte und der Vorsitzende sogar dreifache Strafgeldbeiträge zahlen. Es muss mit der Pünktlichkeit trotzdem nicht allzu gut gewesen sein, denn sonst hätte man nicht einen Sonderkassierer für Strafgelder einsetzen müssen.

Sicherlich haben die Strafgelder dazu beigetragen, dass man bald die ersten Turngeräte - Reck und Barren - anschaffen konnte.

Die stetig steigende Mitgliederzahl ließ den Wunsch nach einer eigenen Turnhalle immer lauter werden. Durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges musste jedoch dieser Gedanke zurückgestellt werden.

Um den durch Einberufungen, aber auch im Krieg gefallene Turnbrüder verminderten Turnbetrieb dennoch aufrechtzuerhalten, turnte man in dieser Zeit gemeinsam mit den Turnern des Bliedinghauser-Turnvereines in der Schule Osterbusch.

Damals war Ernst Müller 1. Vorsitzender, bis zu seinem Tode Seele des Vereins. Er war die treibende Kraft beim Turnhallenbau und veranlasste im Oktober 1921 den Beitritt des „Ehringhauser Turnvereins“ zum „Bergischen Turngau“ und damit zur „Deutschen Turnerschaft“. Nach langwierigen Verhandlungen mit Stadt und Regierung wegen der Finanzierung konnte der Bau der Halle 1929 vollendet werden. Den Bauplatz und einen Teil der Bausumme stiftete Bernhard Hasenclever, der für alle Wünsche des Vereins stets ein offenes Ohr hatte. In gleicher Weise halfen dem Verein Kommerzienrat Hermann Hasenclever sowie die Ehringhauser Familien Hilger und Strasmann.

Am 29. und 30.September 1929 konnten die Ehringhauser Turner dann „Ihre Halle“ einweihen. Alle Häuser der Hofschaft waren geflaggt und prangtem in frischem Grün. Am Festabend begrüßte der Vorsitzende Ernst Müller besonders noch die Turner Karl Strasmann, Robert Höhler und Werner Feth, die noch zu den Mitbegründern aus dem Jahre 1880 zählten. Am Sonntag zog der ganze Remscheider Turnverband unter Führung einer Kapelle mit allen Vereinsfahnen nach Ehringhausen. Zum Gedenken an den Besuch von Friedrich Ludwig Jahn im Jahre 1814 wurde von einem Vertreter des Remscheider Turnerbundes eine Gedenktafel, die heute noch  sichtbar ist, an der Turnhalle enthüllt.

Der Turnbetrieb nahm nach der Fertigstellung der Halle einen gewaltigen Aufschwung.

 

 

1931 wurde unter der Leitung von Otto Freitag eine Frauenabteilung gegründet.

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Eine Kinderabteilung und Turnen für alte Herren baute er in den nachfolgenden Jahren auf. Er blieb lange Jahre mit großem sportlichen Erfolg deren Leiter und Vorturner. Seine „Lieblingsabteilung“, die Frauenriege, leitete er über 40 Jahre. Für seine Treue zum ETV und zum Turnsport erhielt Otto Freitag Ehrenbriefe und Ehrennadel des Deutschen Turnerbundes.

 

Neben dem starken Turnbetrieb machte sich die Leichathletikabteilung unter der Leitung von Hans Hering einen Namen. Sie sorgte für sportliche Erfolge auf deutschen Sportfesten.

Weitere Abteilungen wie Faustball und Rollschuhlauf, unter der Leitung von Hermann Coen, entstanden im Verein.

Der ETV nahm in den nächsten Jahren an allen größeren und kleineren sportlichen Veranstaltungen rege teil. Ein besonderes Ereignis war das Deutsche Turnfest 1938 in Breslau.

Während des 2. Weltkrieges wurde unsere Turnhalle mit Kriegsgefangenen belegt, so dass ein Turnbetrieb nicht möglich war.

 

 

Hier stellte sich Vereinswirt Richard Becker wieder in den Dienst der Sache: Er überließ den Turnern für ihre Übungsstunden seinen Wirtshaussaal.

 

 

 

 

 

 

Als dann die Turnhalle nach Kriegsende endlich wieder zur Verfügung stand, fand ein großes Aufräumen und Instandsetzen statt.

Unter dem Vorsitzenden Otto Freitag wurde die Übungsstätte durch Eigenarbeit und großer Opferbereitschaft der Mitglieder wieder einigermaßen hergestellt. Bald lief der Turnbetrieb auf vollen Touren. Unter der fachkundigen Leitung von Oberturnwart Hermann Coen konnte der Verein in den folgenden Jahren beachtliche Erfolge erringen. Diese alle aufzuzeichnen, würde der Platz kaum reichen. Aus der langen Vereinsgeschichte bis 1945 sollten weitere Vorsitzende nicht vergessen werden: Hermann Pütz, Georg Mark, Robert Winterhoff und Peter Strasmann. Sie alle haben Beachtliches für den Verein getan.

 

Im Jahre 1949 entschlossen sich die Altersturner, die Kellerräume der Turnhalle zu einer Kegelbahn auszubauen. Man wollte neben dem Turnbetrieb auch die Geselligkeit pflegen. Der gesamte Ausbau geschah ausschließlich durch eigene Kraft und mit eigenen finanziellen Mitteln. Rechtzeitig zum 70 jährigen Vereinsjubiläum war die Kegelbahn fertiggestellt.

 

 

 

Anlässlich dieses Jubiläums fand am 9.9.1950 in der Turnhalle ein Festabend statt. Am nächsten Tag wurde das Fest mit einem großen Mannschaftsgerätewettkampf fortgesetzt. Alle namenhaften Vereine des Bergischen Turngaus nahmen teil. Nachmittags fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung in Ehringhausen ein Festzug statt.

 

 

 

Anfang der 50er Jahre übernahm Fritz Rings die schon traditionell von Hans Hering geführte Leichathletikabteilung. Aus der Kinderabteilung heraus baute er die neue Leichtathleitikabteilung auf, die große Erfolge auf vielen Sportfesten erreichte. Urkunden belegen heute noch die Siege auf westdeutschen und deutschen Waldlaufmeisterschaften.

1955 beging der Turnverein unter seinem 1. Vorsitzenden Karl Georgi das 75jährige Vereinsjubiläum. Es wurde vom 25.9. bis 2.10.1955 gefeiert. 1956 löste Max Fritz den 1. Vorsitzenden Karl Georgi ab. Max Fritz stand dem Verein bis zum Jahre 1961 vor.

 

1963: Neuer Abschnitt in der Vereinsgeschichte: Ein eigener Sportplatz.

Er wurde unter dem 1. Vorsitzenden Adolf Schmücker verwirklicht.

Unter großer Beteiligung des ETV, des Tura Süd und der Bürgerschaft von Ehringhausen wurde der Platz am 29.5.1963 eingeweiht.

 

 

 

Im gleichen Jahr wurde der Ausbau der vorhandenen Kegelbahn in der Turnhalle zu einer sportgerechten Bundeskegelbahn zum Abschluss gebracht.

Anfang des Jahres 1965 übernahm Walter Hackländer den Vorsitz des Vereins. Ein besonderer Höhepunkt für die Turner des ETV war das Rheinische Turnfest 1966 in Remscheid.

Im Jahre 1969 übernahm Walter Kunst das Amt des 1. Vorsitzenden. Um den Turnbetrieb weiter zu bereichern, wurde eine Abteilung „Mutter und Kind“, sowie eine Abteilung für Jugendliche der verschiedenen Altersgruppen gegründet. Das Ehepaar Irmtraud und Berthold Schemann hat sich hierum jahrelang durch seinen unermüdlichen Einsatz große Verdienste erworben.

Nach über 40-jähriger Leitung der Frauenabteilung legte Otto Freitag im Jahre 1971 sein Amt als Turnwart nieder und wurde durch eine Vereins-Ehrenurkunde besonders geehrt. Adolf Schmücker wurde zum Ehrenvorsitzenden des ETV ernannt.

1973 mußte die vereinseigene Halle dringend renoviert und modernisiert werden. Der RGA schrieb am 8.9.1973: „Ein kleiner Verein vollbrachte große Kraftanstrengung“.

Insgesamt wurden DM 70.000,- für dieses Vorhaben investiert. Vorsitzender Walter Kunst dankte allen Helfern, die viele Stunden geopfert hatten. Er würdigte besonders den 1. Kassierer Albert Strasmann, der bei dem Umbau alle Fäden in der Hand gehalten hatte. Sicherlich ist es der Modernisierung  der Halle zu verdanken, dass die Mitgliederzahl sprunghaft anstieg. Geschulte Übungsleiter übernahmen die sportliche Betreuung.

Im Januar 1974 übernimmt Albert Strasmann den Vorsitz des ETV. Walter Kunst steht ihm als 2. Vorsitzender treu zur Seite. Unter der Devise „Das Haus muss in Ordnung sein“ wurden 1975 weitere Baumaßnahmen begonnen:

Der Anbau von 2 Umkleideräumen mit Duschen und Toiletten. In einem Zeitraum von 3 Jahren waren mehr als DM 170.000,- für Modernisierung, Neubauten sowie Beschaffung von Sportgeräten bereitgestellt worden, von denen der Verein über die Hälte selbst aufbrachte.

 

 

 

 

 

 

 

1980 feiert der ETV zusammen mit dem Tura Süd das 100 jährige Vereinsjubiläum beider Vereine mit einer Sportwoche und einem großen Festabend im Festzelt auf dem Sportplatz in Ehringhausen. Zahlreiche Stargäste ließen den Abend zu einem großen Erfolg werden. 1981 und 1982 wurden diese Feste, gemeinsam mit dem Tura Süd, unter dem Motto „Sommerfest im Südbezirk“ auf dem Sportplatz in Ehringhausen wiederholt. Bis zu 1200 Gäste kamen ins Festzelt um Stars wie Mike Krüger, Ingrid Peters, Peter Beil und De Höhner zu erleben.

 

1997 verabschiedete sich Albert Strasmann nach 23 Jahren von seinem Amt als 1. Vorsitzender. Er wurde zum Ehrenvorsitzenden gewählt und begleitete den ETV bis zu seinem Tode 2008.

 

Sein Nachfolger wurde Klaus Giess, der über 30 Jahre dem engeren Vorstand angehörte. In seiner 6-jährigen Amtszeit veranlasste er weitere Baumaßnahmen. Es wurde ein Geräteraum angebaut und der Eingang der Kegelbahn an anderer Stelle neu gestaltet. Klaus Giess verstarb im Januar 2004.

 

 

 

 
Im März 2003 übernimmt Jürgen Wilhelm den Vorsitz des ETV.

 

2007 wurden mit finanzieller Unterstützung der Stadtsparkasse Remscheid neue Fenster in der Turnhalle eingebaut.

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit 2010 findet am 1. Mai die inzwischen zur Tradition gewordene Maiwanderung statt. Von der Turnhalle aus wandern jung und alt durch das Hammertal ins Eschbachtal, wo am Grillplatz am Altenhammer für das leibliche Wohl gesorgt ist.

 

 

 

 

 

 

 

Auch der jährliche "Kinderkarneval" lockt jung und alt in die Ehringhauser Turnhalle.